Neuer Stoff für Wissensdurstige - überdosis bei IPC & Webinale 2016

Im Vorfeld einer Konferenz stellt sich uns immer die Frage: Lohnt sich der Besuch? Wir möchten in diesem Beitrag die Konferenzen aus Sicht von Front- und Backend-Entwicklern resümieren und damit einen Einblick in die Themenvielfalt der Veranstaltungen bieten.

Uns dürstete es nach Wissen und so besuchten wir auch in diesem Jahr wieder die Fusion zweier Konferenzen – der Webinale und der International PHP Conference 2016 im Herzen von Berlin. Als Early Birds durften wir für knapp 800 € an allen drei Konferenztagen teilnehmen. Einen weiteren Workshop-Tag gab es kostenlos oben drauf. Wie auch im letzten Jahr fand die Veranstaltung im Maritim proArte Hotel in der Friedrichstraße statt und war somit für Berliner und Leute einer weiteren Anreise fabelhaft zu erreichen.

Webinale + IPC = die Qual der Wahl

Die Webinale bot Sessions aus den Bereichen Data & Monitoring, Marketing Trends, UX, Webdesign, sowie klassische Frontend Themen. Die IPC trug den aktuellen Entwicklungen mit Vorträgen zu den Themen Microservices, DevOps und Continuous Delivery, Rechnung. Die Themen PHP und Frameworks wurden aber nicht vergessen.

tl;dr

Wir haben uns im Vorfeld sehr auf die IPC und Webinale 2016 gefreut und wurden nicht enttäuscht. Massig Input für die verklebten Synapsen! Es fehlte einem an nichts. Das Essen war ausreichend und vielseitig. Die Internetverbindung war, bis auf den Zwang sich ständig erneut einloggen zu müssen, schnell und stabil. Die hochkarätigen Speaker hatten viel Insider-Wissen im Gepäck. Neben den Vorträgen animieren die Gespräche in den Pausen zum Weiterdenken.

Es folgen kurze Resümees der von uns besuchten Vorträge und Workshops.

Workshop-Tag: Und los geht’s!

Neue Techniken und Herausforderungen für Responsive Design (Peter Kröner, Freelancer)

Von 9 bis 17 Uhr gab’s von Peter, dem „Webtechnologie-Erklärbär“, im Workshop die volle Dröhnung neuester Frontend-Technologien. In Beispielen und Übungen am Laptop ging es um Container Queries, Webstandards für Responsive Images, den Browser als Responsive-IDE, Flexbox, CSS Grid und den Trends in der Frontend-Entwicklung. Fun Fact: <body bg-color="chucknorris"> funktioniert! Probiert’s aus ;-)

1. Konferenztag: Durchstarten

Adaptive Content, Context, and Controversy (Karen McGrane, Bond Art + Science)

In dieser Keynote hielt Karen ein Plädoyer für nachhaltige Lösungen zur Bereitstellung von Content im Web. Sie ging ein auf Adaptive Content und die Methoden diesen zu erreichen und beleuchtete Vor- und Nachteile. Eindrucksvoll erklärte sie, dass Adaptive und Responsive Design in einem gemeinsamen Projekt Verwendung finden können. Es war sehr spannend zu sehen mit welcher Hingabe sie für die Einhaltung von Standards im Web kämpft.

ng2 loves TypeScript, und du? Was TypeScript bringt – nicht nur für Angular-2-Entwickler (Philipp Burgmer, w11k)

Tatsächlich ging der Vortrag sogar noch weniger auf Angular 2 ein, als ich erwartet habe, was dem Ganzen keinen Abbruch tat. Philipp beleuchtete neben den Vorteilen von TypeScript auch die Philosophie, die Microsoft mit dieser Sprache verfolgt: ECMAScript mit einer dünnen Schicht Typisierung.

Visualisierte Daten und Informationen – vom Notebook bis zur Smartwatch (David Paschke, UCDplus)

Wie visualisiert man Daten und Informationen geräteübergreifend, damit sie für den User angenehm zu konsumieren sind? Als Senior-Interface-Designer bei UCDplus erläuterte David diese Herausforderung anhand von Fitness Trackern und Google Maps für den großen TV-Screen bis zur Apple Watch.

The Stateful ElePHPant (Rick Kuipers, Enrise)

Die Jungs von Contentful waren nicht nur mit einem Stand zum Bewerben ihres Produktes vertreten, sondern hielten auch Vorträge. An praktischen Beispielen erläuterte Rick die State Machine und das State Pattern anschaulich. Das nächste Projekt, bei der diese Ansätze Verwendung finden, kommt bestimmt.

Pure and functional JavaScript (Dennis Wilson, Freier IT-Berater)

Dennis referierte über seine Erfahrungen mit funktionaler Programmierung in JavaScript. Sein Fazit: Durch den Einsatz von Pure Functions und deklarativer funktionaler Programmierung lassen sich Applikationen entwickeln, die zu weniger Fehlern und einfacher Wartbarkeit führen.

Modern Web with Angular 2 – cleaner, simpler, sensible (Anas Raza Firdousi, PayPal)

Nach einer kurzen Vorstellung der Theorie hinter Angular 2 ging es direkt los. Anhand einer To-Do-App erklärt Anas eindrucksvoll, warum Angular für ihn mehr ist, als ein Framework.

Atomic Design – Die Einheit von Frontend und Design im RWD-Zeitalter (Patrick Lobacher, Pluswerk)

Ein sehr spannender Vortrag für neue agile Vorgehensweisen bei der Entwicklung von Websites mit interessanten Anekdoten aus dem Alltag der Pluswerk AG. Patrick Lobachers Regeln für die erfolgreiche Umsetzung von Websites:

  1. Content first
  2. Mobile Second
  3. Keine PSD
  4. Keine Layouts
  5. Atomic Design

Jenkins for PHP Projects (Stephan Hochdörfer, bitExpert)

Hier gab endlich mal jemand Einblick in seine Pipelines. Durch seine langjährige Erfahrung mit Hudson/Jenkins konnte er ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Hier waren es vor allem kleine Dinge, die man aus diesem Talk mitnahm.

ES2015: Die Zukunft ist hier! (Sebastian Springer, MaibornWolff)

Die wichtigsten Neuerungen und Best Practice für den neuen Sprachkern von JavaScript wurden an zahlreichen Code-Beispielen ausführlich erläutert. Die Vorher-Nachher-Beispiele ließen Entwickler-Augen leuchten.

Honey, I shrunk the Framework! (Sebastian Heuer, Freelancer)

Sebastian Heuer wollte mit diesem Vortrag dazu animieren nicht immer zu den bekannten Platzhirschen unter den Frameworks zu greifen. Er plädiert für individuell auf das Projekt zugeschnittene Frameworks, die dem Konzept der Microservices Tribut zollen. Natürlich gab es im Anschluss eine kontrovers geführte Diskussion über das Für- und Wider dieses Ansatzes. Dennoch: Die über die Zeit eingeschliffenen Muster müssen nicht für jeden Use Case das Richtige sein!

2. Konferenztag: Höhepunkt

PHP 7: What Kind of Language is it? (Sebastian Bergmann, thePHP.cc)

Sebastian Bergmann, Autor diverser PHP-Bibliotheken, unter anderem auch PHPUnit, erläuterte auf seine gewohnt erfrischende Art den Weg, den PHP mit Version 7 beschreitet und gab damit auch spannende Einblicke in die Welt der Paradigmen verschiedenster Programmiersprachen.

JavaScript-Performanceanalyse (Sebastian Springer, MaibornWolff)

Das Publikum bei so einem Thema am frühen Morgen für sich zu gewinnen gelang Sebastian mit kessen Sprüchen und zahlreichen Aha-Erlebnissen. Keine Theoretische Diskussion, sondern sinnvolle Tipps und Tricks aus der Praxis gepaart mit interessanten Informationen über die Funktionsweise von JavaScript Engines im Browser.

Just married: Node.js and PHP (Arne Blankerts, thePHP.cc)

Es war ein spannendes Gedankenexperiment zu dem uns Arne Blankerts mitnahm. Wie bringt man eine erwachsene Sprache wie PHP mit dem hippen Node.js zusammen und wo liegen die Stärken und Schwächen in diesem Gespann.

Idiomatischer Umgang mit Objekten in JavaScript (Dennis Wilson, Freier IT-Berater)

Dennis war auf der Konferenz zum Thema JavaScript omnipräsent. Mit großer Leidenschaft befasste er sich in dieser Session mit objektorientierter Programmierung in JavaScript.

Webapplikationen mit React (Sebastian Springer, MaibornWolff)

Der Autor vieler Fachartikel, Sebastian Springer, gab Einblick in React und erklärte Konzepte, wie den Component Lifecycle auf seine gewohnt lustige Art.

Web Performance: Beginner to Expert to Insanity (Philip Tellis, SOASTA)

Web Performance – mit diesem Thema lassen sich ganze Konferenzen füllen. In einer 45-minütigen Turbo-Session hat Philip Tellis die wichtigsten Aspekte bei der Frontend-Optimierung beleuchtet. Der verrückteste Vorschlag war, das Rendering von Bildern via JavaScript mit Service-Workern in einem Canvas-Objekt auszulagern, damit die Bild-Datei das Laden der Website nicht blockiert. Big Bang Theory lässt grüßen!

Code Wars – The Source awakens (Richard Gutjahr, Freier Journalist)

Ganz billig haschte Richard Gutjahr mit dem Star Wars Theme nach Aufmerksamkeit und bekam sie auch, denn seine Keynote über die kommenden Rockstars war Seelenbalsam und Branchenkritik höchster Güte.

Continuous Talk (Pascal Paulis, Continuous)

Wer noch nicht Bescheid wusste, wurde mit hilfreichen Tipps zum Aufbau einer Continuous Deployment Pipeline ausgestattet.

Is this Open Source Thing really worth it? (Robert Lemke, Flownative)

In diesem Talk am späten Nachmittag stimmte Robert Lemke nachdenkliche Worte über sein Open Source Project Neos an. Er gab Einblick in die Herausforderung die sich bei der Entwicklung einer solchen Software ergeben und warum es seiner Meinung nach Wert ist einen solchen Weg zu verfolgen.

JavaScript Testing mit Jasmine (Dominik Ehrenberg, Infineon)

Dominik zeigte in einer Live Coding Session, wie man die Testbibliothek Jasmine einrichtet und Tests für seinen JavaScript-Code schreibt. Nebenbei gab’s noch ein paar Tipps für das automatisierte Testen.

3. Konferenztag: Finale

Innovationsmotor Design Thinking (Patrick Lobacher, Pluswerk)

Mit einem großen Schuss Ironie fragte Patrick gleich zu Beginn, wie viele Hörer nur wegen dem Buzzword „Design Thinking“ zu seinem Vortrag gekommen sind. In seiner 59 Seiten langen Präsentation beschäftigte er sich unter anderem mit den verschiedenen Arten von Innovationen, der digitalen Transformation und den Erfolgsfaktoren von Design Thinking.

Docker in Production (Robert Lemke, Flownative)

Oh, wie lange hatte wir darauf gewartet. Kostbares Insider-Wissen von einem, der es wissen muss. Aufgrund der Komplexität konnten Themen, wie Service Discovery, Backups, Disaster Recovery, Image Registrys oder Plattformen, wie Googles Kubernetes nur angerissen werden. Für uns war der Vortrag die Bestätigung darin, dass die Container und das darum entstehende Ökosystem die IT gerade kräftig durchrütteln.

Joy of Use – wenn Usability wirkt (Klaus Cloppenburg, interactive tools)

Dieser Vortrag war vor allem ein spannendes Plädoyer für die Einbeziehung der User in den agilen Entwicklungsprozess einer Website. Mit einem Blick hinter die Kulissen zeigte Klaus uns, wie der Relaunch von liebherr.de vom Konzept bis zur Umsetzung realisiert wurde.

Static Analysis of PHP Code – How the Heck did I write so many Bugs? (Rouven Weßling, Contentful)

Sehr detailliert führte uns Rouven in statische Code-Analyse ein. Durch die Entwicklungen in PHP scheint dieser Bereich eine günstige Möglichkeiten zu Sicherung der Code-Qualität darzustellen, die sich mit den Ausführungen des Vortragenden wunderbar in die eigene Pipeline integrieren lassen.

Survival of the Fittest – Wie Sie sich mit Continuous Optimization im E-Commerce dauerhaft Wettbewerbsvorteile sichern (Martin Rothhaar, elaboratum)

Martin gab in einem äußerst spannenden Beitrag 10 Tipps für die Umsetzung einer Continuous Optimization Strategie. Unsere Favoriten: „Stellen Sie Alles in Frage“ und „Sie sind niemals fertig“.

Kommunikations-APIs von JavaScript und HTML5 (Christian Wenz, Arrabiata Solutions)

Nach unzähligen gelesenen Fachartikel, war es interessant ihn auch mal live zu sehen. Christian schlug mit seinem Talk in die Kerbe für Microservices und die wachsende Bedeutung von Kommunikationsprotokollen, um diese zu realisieren.

Patrick Baber

Als erfahrener Programmierer löst Patrick jeden Gordischen Knoten, findet die geeignete Methode und entwickelt damit flexible Software-Systeme.