Das Web ist geil und zwar darum

Auf der View Source Berlin gibt es haufenweise gute Talks zum Web of Tomorrow. Philip und ich sind gestern, heute und morgen dabei und tanken Wissen. Ein Gedanke zieht sich durch alle Talks: Das Web ist offen und für alle zugänglich.

Bei dem Talk Resilience von Jeremy Keith ist mir wieder eingefallen, wieso ich mich als Kind mal ins Netz verliebt hab. Das Web besteht aus einfachen Bestandteilen: HTTP, um Daten zu übertragen, URLs, um Inhalte abzurufen und HTML, um Inhalte schematisch zu verpacken. Klar, wir kennen alle Tim Berners Lees erste Website von vor 27 Jahren. Und klar, es ist geil, dass die Website heute noch geht. Aber erst heute ist mir bewusst geworden, warum das überhaupt so funktioniert:

In HTML (und CSS genauso) werden neue Features, die Browser nicht verstehen, einfach ignoriert. Und so trivial das klingt, wer schonmal versucht hat ein Indesign CS5 Dokument in CS6 aufzumachen oder – Gott bewahre – andersherum, der weiß das vielleicht zu schätzen. Software bestraft Fehler und braucht exakte Standards. Du hasst Klugscheißer? Computer sind die schlimmsten Klugscheißer.

Nicht so das Internet. In HTML kann man Tags erfinden, die Seite wird trotzdem gerendert. Aber viel wichtiger: Man kann neue Features benutzen (Progressive Enhancement!), die vielleicht nicht jeder Browser unterstützt, aber trotzdem wird nirgendswo ein Fehler geworfen. So ist es möglich, dass eine Website aus einer Zeit, in der es nur 21 HTML-Tags gab, in dem gleichen Browser funktioniert, der heute 121 Tags unterstützt. Und das ist doch der Hammer. :)

Hans Pagel

Hans, gelernter Designer, berät, konzipiert und programmiert. Ob individuelle, experimentelle oder pragmatische Lösungen, er findet eine, die zu dir passt.